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Ein Exkurs durch die Dauerausstellung

 Erfindung des Rades



 

Bis zur Erfindung des Rades im 4. vorchristlichen Jahrtausend hatten sich Mensch und Tier gemeinsam Trampelpfade durch unwegsames Gelände gebahnt. So waren die menschlichen Ansiedlungen lediglich durch ein Netz aus schmalen Pfaden wie Inseln in der Wildnis untereinander verbunden. Erst mit dem Wagen entstand  die Notwendigkeit, Wege mit Holzbohlen zu befestigen und zu unterhalten. Der Verkehr war geboren.

 

Slawische Besiedlung entlang von Gewässern



Dennoch blieben die Fließgewässer – wegen des hohen Aufwands für den Straßenbau – bis in das hohe Mittelalter wichtige Kommunikations- und Handelswege.

Foto: Andrea Perlt

Perlschnurartig reihten sich die slawischen Siedlungen an den Flüssen entlang, die dem Warentransport, der Nachrichtenübermittlung und der Fortbewegung dienten.

Der von der Dosse umflossene Wusterhausener Burgwall war zudem Sitz eines Reiterfürsten mit weitreichenden Verbindungen. So gelangten nicht nur das tägliche Brot, sondern auch Prunkschwerter, Goldgewänder und Silbermünzen in die Burg.

 

Mittelalterlicher Salzhandel und Pilgerströme

 

Im späten Mittelalter profitierte Wusterhausen von seiner verkehrsgünstigen Lage als Kreuzungspunkt zwischen Land- und Wasserwegen. Das kleine Flüsschen Dosse bildete Wusterhausens Tor zur Welt: Über die Havel war die im 13. Jahrhundert gegründete Stadt mit den großen Hansestädten an der Elbe verbunden.  Besonders mit dem Lüneburger Salz, für das Wusterhausen bis 1560 ein Niederlagerecht besaß, wurde reger Handel betrieben.

 

Dank eines Hostienwunders zählte Wilsnack, ein kleiner Ort in der Prignitz, neben Rom, Santiago di Compostella und Jerusalem zu den wichtigsten Wallfahrtsorten des ausgehenden Mittelalters. Die Städte auf dem Weg zum Heiligen Blut erblühten im Pilgeransturm: In Wusterhausen, eine Tagesreise von Wilsnack entfernt, wurden Kapellen und Hospitäler gegründet, die der Beherbergung der Pilger dienten. Bis zur Reformation florierte der Ablasshandel.

 

Foto: Martin Wierschke

 

Post und Chausseebau in der Frühen Neuzeit

 

Die unersättliche Lust des Berliner Hofes auf kulinarische Delikatessen – Austern, Südfrüchte und exotisches Gemüse wie Kartoffeln – gab den Ausschlag, im 17. Jahrhundert eine Küchenpost zwischen Berlin und Hamburg einzurichten. Mit dem Ausbau der über Wusterhausen führenden Strecke zur fahrenden Post mit öffentlicher Brief-, Waren- und Personenbeförderung wurde erstmals ein regelmäßiger Fahrplan eingeführt. Die Welt weitete sich – auch für die Provinz.

 

Doch die Wege blieben schlecht: Bis in das 19. Jahrhundert waren Reisen lebensgefährlich, umgestürzte Kutschen an der Tagesordnung. Erst mit dem preußischen Chausseebau, der gewaltige Summen verschlang, eroberte ein neues Prinzip die Welt der Wege: Erstmals flossen verkehrsplanerische, ökonomische und künstlerische Aspekte in den Straßenbau ein. Die nach römischem Vorbild entwickelten neuen Kunststraßen, für die namhafte Baumeister wie Friedrich David Gilly und Karl Friedrich Schinkel Entwürfe lieferten, folgten einem strengen ästhetischen Konzept. Die neue Strecke Berlin-Hamburg war nun in 30 Stunden zu bewältigen. 

 

Handwerk und Gewerke im 19. Jahrhundert

 

Die Entstehung neuer Märkte generierte im 19. Jahrhundert Warenströme, die auch den Alltag der preußischen Provinz veränderten. Wusterhausener Schuster und Tuchmacher belieferten die umliegenden Märkte und die preußische Armee. Die Spezialisierung des Handwerks trieb allerdings auch seltsame Blüten: Um 1880 stellten in der Kleinstadt 97 Schuhmacher und 1 Schuhmacherin Damen- und Arbeitsschuhe her – Industrialisierung mit reiner Manpower. Der Schuhboom, durch den Wusterhausen den Beinamen Schusterhausen erhielt, dauerte jedoch nicht lange – 10 Jahre später war die Blase geplatzt, Berliner Maschinen übernahmen die Marktführung.

 

Foto: Martin Wierschke

 

Das 20. Jahrhundert: Automobilisierung, NS-Zeit und die Transitzeit 

 

Bald rollten die ersten Automobile aus der Großstadt, die allmählich die Fußgänger von den Straßen verdrängten. An den Wochenenden strömten Sommerfrischler in die Stadt. Gastronomie und die Bootsfahrt auf dem Untersee hatten in den 1920er bis 1930er Jahren Hochsaison. Straßen mussten erneuert werden, auf diesen marschierten ab 1932 auch in Wusterhausen Nationalsozialisten auf. Nach Kriegsende durchzogen Flüchtlingsströme die Region, viele verließen ihre Heimat, Vertriebene ließen sich nieder.

 

Das Verbindende von Wegen wird meist erst dann wahrgenommen, wenn sie unter dramatischen Umständen unterbrochen werden. Infolge der Teilung Deutschlands waren historisch gewachsene Wege blockiert, zwischenmenschliche Bindungen abgeschnitten. Nur über die offiziellen Interzonenstraßen durch die DDR war West-Berlin seit 1952 mit der Bundesrepublik verbunden. Die B 5 oder     F 5, wie sie in der DDR hieß, führte durch Wusterhausen und war die einzige Transit-Landstraße, die mit Fahrrädern, Mopeds und Traktoren befahren werden durfte. Jahrzehntelang trafen sich Ost und West nur noch am Straßenrand, nach DDR-Recht zumeist illegal.

 Foto: Martin Wierschke

 

Erst am Ende unseres Weges
stehen die Antworten.

Laotse

 
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